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Stofftiere

Ich weiß nicht, irgendwie kam mir das schon eine ganze Weile merkwürdig vor. Sie saßen am Morgen nicht genau so wie am Abend zuvor. So schien es mir jedenfalls. Außerdem machten sie alle einen verkaterten Eindruck. Ansonsten rührten sie sich nicht einen Millimeter. Wie Stofftiere das halt so machen. Dann sprach mich der Wirt der nahen Kneipe an. Ich gehe da öfter mal hin und trinke ein Bier. Ich hätte doch folgende Stofftiere. Und er beschrieb sie mir alle. Woher er das wusste? Na, sie kämen Nachts öfter vorbei und tränken eine Kleinigkeit. Und wo wir gerade darüber sprächen. Da wären noch einige Deckel offen. Ob ich bar oder mit Karte zahlen wolle. Ich glaubte dem Wirt und zahlte. Er solle mich ruhig ansprechen wenn die Stofftiere wieder einen oder mehrere Deckel offen hätten.

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Man muss sich das mal vorstellen. Sie schleichen Nachts aus dem Haus. Theo die Giraffe am Schlüsselbund macht ihnen die Tür auf, bleibt aber selbst zu Hause. Einer muss sie ja rein und raus lassen. Dafür erzählen sie ihm, was da so draußen passiert. Sie gehen in einer geordneten Reihe; einer hinter dem anderen. Immer Nachts, aber nicht jede Nacht Sie sind ja keine Säufer. Wollen halt nur mal was anderes erleben. Nicht immer nur im Regal sitzen. Das ist langweilig. Auch für


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Stofftiere. Der Wirt kennt sie mittlerweile. Natürlich! War ganz schön verblüfft wie die das erste Mal aufgetaucht sind. Hatte auch einige Bedenken ob er überhaupt das verzehrte erstattet bekäme. Denn Geld hatten sie natürlich keins. Aber sie sagten ihm, das ich das wohl gelegentlich bezahlen würde. Und da ich dem Wirt bekannt war, ließ er sich drauf ein. Viel riskiert hat er nicht, denn Sie trinken ja nicht viel.

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Eines Nachts auf dem Weg zur Kneipe sah ein Polizist die Plüschbande. Er war auf seinem Streifengang und was er da sah war ja geradezu unglaublich. Er hielt den Verein an und verlangte deren Papiere zu sehen. Der große Teddybär, der voranging, stemmte die Pfoten in die Seite und sagte: „Wir haben keine.“

„Dann“ sagte der Polizist „muss ich sie alle zur Überprüfung der Personalien mit aufs Revier nehmen.“

„So, so“ sagte der Teddy „haben sie sich mal überlegt, was Ihr Chef und ihre Kollegen sagen werden, wenn Sie mit zehn Stofftieren auf dem Arm im Revier auftauchen und deren Personalien feststellen wollen.“

Der Polizist geriet in Grübeln. Er stellte sich folgendes Protokoll vor:


Polizeidirektion ██████
Inspektion ██████
Vorgangsnummer: 24/PL/████/██

Aktennotiz (intern)
Datum: ██.██.20██
Uhrzeit: ca. 03:17 Uhr
Ort: Gehweg ██████straße, Ortsgebiet ██████

Sachverhalt:
Während der regulären Streifentätigkeit wurde eine Gruppe von zehn (10) Stofftieren festgestellt, welche sich geordnet in Reih und Glied auf dem Gehweg bewegte. Die Gruppe wurde angeführt von einem braunen Teddybären (ca. 35–40 cm hoch), der offenbar eine Führungsrolle innehatte.

Aufgrund der ungewöhnlichen Situation erfolgte eine Kontrolle zur Feststellung der Personalien.

Auf Nachfrage nach Ausweisdokumenten erklärte der führende Teddybär wörtlich:

„Wir haben keine.“

Ich wies darauf hin, dass die Gruppe in diesem Fall zur Identitätsfeststellung mit zur Dienststelle genommen werden müsse.
Der Teddybär stellte daraufhin die Gegenfrage, was mein Vorgesetzter wohl dazu sagen würde, wenn ich mit zehn Stofftieren im Arm auf dem Revier erscheine, um deren Personalien festzustellen.

Nach kurzer Lagebeurteilung, Abwägung der Verhältnismäßigkeit sowie unter Berücksichtigung der zu erwartenden dienstinternen Erklärungsnotwendigkeit wurde von weiteren Maßnahmen abgesehen.

Maßnahme:
Mündliche Ermahnung.
Weitergehenlassen der Gruppe.

Besonderheiten:
– Kein aggressives Verhalten
– Kein Alkoholkonsum feststellbar
– Geordneter Rückweg
– Insgesamt ruhiger, disziplinierter Eindruck

Abschluss:
Keine weiteren polizeilichen Maßnahmen erforderlich.
Vorgang wird ohne Folgehandlung geschlossen.

Unterschrift:
PHM ██████

Hinweis: Diese Aktennotiz ist nicht zur Weitergabe bestimmt.


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Der Polizist überlegte einen Moment und sagte: "Für dieses mal...", drehte sich um und setzte seinen Streifengang fort. Unsere Freunde gingen in Ihr Stammlokal und genossen den Morgen.

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Und dann trotteten sie brav heim, bevor noch jemand merkte, dass Stofftiere eigentlich um diese Uhrzeit im Regal sitzen sollten.


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